Leitbild - Selbstverständnis evangelischer Gefangenenseelsorge Seelsorge ist ein Angebot an Menschen in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen, das jede und jeder bei jeder und jedem Vertrauten in Anspruch nehmen kann. Seelsorge im Gefängnis und "draußen" ist somit ein Angebot unter mehreren, das Häftlingen und Angehörigen dient - neben anderen Sonderdiensten (Sozialer Dienst, Psychologischer Dienst, Ausländerreferat etc.). Seelsorge im Gefängnis und "draußen" geschieht durch Menschen (SeelsorgerInnen), die dazu ausgebildet und seitens einer Kirche dazu ermächtigt werden. Eine Seelsorgerin oder ein Seelsorger im Gefängnis möchte - Vertrauen schenken, wo sonst keines mehr da ist
- sich Zeit nehmen, zuhören und jede/n annehmen, wie er/sie ist
- verlässlich sein und gemeinsam nach neuen Chancen suchen
Eine Seelsorgerin oder ein Seelsorger im Gefängnis möchte daher NICHTS VON den Betroffenen, auch keine Beichte, kein Geständnis, kein Gutachten, etc., sondern VIEL von dem ermöglichen, was FÜR die Situation der Betroffenen gut ist: - Stille, wo unerträglicher Lärm ist
- Gemeinschaft, wo Einsamkeit zur Qual wird
- Sonne und Licht, wo Dunkelheit vorherrscht
- Freiheit, wo Zwang und Enge den Alltag bestimmen
- Leben, wo Monate, Jahre oder "lebenslänglich" vor einem liegen und das "Danach" von Tag zu Tag fraglicher und unmöglicher erscheint
Eine Seelsorgerin oder ein Seelsorger ist ein Mensch, - der sich mit Gott und dir auf den Weg machen möchte
- der im begrenzten Dasein vor Gott und den Menschen mit dir den Traum von echter Freiheit träumen will - TROTZDEM!
(Pfr. Dr. Matthias Geist)
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